Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.

5. Buch Mose, Kapitel 26, Vers 11

 

Im Evangelischen Gesangbuch für unser Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland finden Sie 535 Lieder. Dazu weiter noch Gebete, Bekenntnisse und Hinweise auf Dichter und Komponisten der einzelnen Lieder.
Die Lieder sind in verschiedene Rubriken eingeteilt: Die jeweiligen Zeiten im Kirchenjahr finden wir. Dann gibt es einen Teil für spezielle Anlässe wie Taufe, Trauung oder Konfirmation. Ziemlich viele Lieder sind unter der Überschrift „Glaube - Liebe - Hoffnung“ vereint. Da geht es um Themen wie Angst und Vertrauen, Rechtfertigung und Zuversicht, Umkehr und Nachfolge. Und dann ganz wichtig: Lieder zum Loben und Danken.
Was der Bibelvers mir sagt: Fröhlich sein und Freude haben unendlich viel mit Dankbarkeit zu tun. Danken können wir nicht genug.
Ein bekanntes Lied aus unserem Gesangbuch singt so:
1) Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag.
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.

Das passt gut für den Start in den Tag. Zum Beginn erinnere ich mich daran, dass Gott mich an diesem Tag begleiten wird. Er ist da und trägt mit mir an meinem Tag.
4) Danke für manche Traurigkeiten, danke für jedes gute Wort.
Danke, dass deine Hand mich leiten will an jedem Ort.
Es ist nie alles gut. Auch Trauer oder Schwermütigkeit gehört zu meinem Leben. Gut, dass Gott mich auch in solchen Zeiten nicht loslässt. Er führt mich und zeigt
mir meinen Weg.

 

 

 

 

 

3) Danke für meine Arbeitsstelle, danke für jedes kleine Glück.
Danke für alles Frohe, Helle und für die Musik.
Na ja, arbeiten müssen und dürfen Sie ja nicht mehr. Ich bin dankbar für meine Stelle als Pfarrer. Es ist da auch nicht jeden Tag alles in Ordnung. Ich freue mich, dass ich in dieser Funktion etwas bewirken kann. Und bin natürlich dankbar für die Musik.
2) Danke für alle guten Freunde, danke, oh Herr, für jedermann.
Danke, wenn auch dem größten Feinde ich verzeihen kann.

Dankbarkeit für den Kontakt zu Menschen besingt der zweite Vers. Ich genieße es, vertraute Personen an meiner Seite zu haben. Familie, Freunde, Nachbarn oder einfach auch Bekanntschaften. Dazu kommt dann, Beziehungen wieder aufzunehmen. Wenn Streit oder Zorn vergangen sind.
5) Danke, dass ich dein Wort verstehe, danke, dass deinen Geist du gibst.
Danke, dass in der Fern und Nähe du die Menschen liebst.
Dank dafür, dass Gott zu mir spricht und ich antworten kann. Dank für Gottes Geist, der mich verstehen lässt, wie Gott mir begegnet.  Unter anderem so, dass seine Liebe keine Grenzen kennt.
6) Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.
Grandios finde ich das Ende des Liedes. Dankbarsein zu dürfen. Zu können und zu wollen. Es ist nicht immer einfach, das gebe ich zu. Was wäre die Alternative?
Nur schlechte Laune zu haben und der Welt griesgrämig zu begegnen. Das kann, das soll nicht sein. Gott sei Dank!

 

Bleiben Sie behütet und stabil, Ihr Tobias Krüger.


Taschenstern und Kamelgeschwindigkeit - Predigt zum Auftakt
Von Bettina Schlauraff, Regionalbischöfin in Magdeburg
gehalten am 6. Januar 2025 in Gardelegen

Wo geht’s denn eigentlich hin mit uns?

Wo geht’s denn hin mit uns … als Gesellschaft?

Wo geht’s da gerade hin?

Und mit unserer kleinen Gemeinde?

Mit unserer Kirche hier im Ort, in unseren Orten?

Wo geht’s da hin?

Mit unseren kleiner werdenden Gemeinden mit den noch verbliebenen Christen?

Welchem Stern laufen wie hinterher?

Wo wäre Stabilität zu finden,

wo der richtige Stern,

der, obgleich die Welt gerade wie blöde herumspringt, mich gelassen sein ließe, ohne Angst.



Ich stell mir vor, das ginge zu annoncieren.

Eine riesen Annonce. Großdruck, eine ganze Seite.

Hier in der Volksstimme:

„3 Weise Menschen gesucht, die den Weg kennen“

bitte melden Sie sich im Pfarrbüro, beim Bürgermeister, beim Landrat, beim Gemeindekirchenrat.
Schön wärs. Aber so wird es nicht sein.

Du wirst Dich, Ihr werdet Euch selbst auf den Weg machen müssen. In Gemeinden und Orten. In unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen. In Deinen Beziehungen und in Deiner Familie. Du wirst Dich, Ihr werdet Euch selbst auf den Weg machen.



Der alten Geschichte von den drei weisen Männern,

seien sie Gelehrte oder Könige, die einfach loszogen wegen… einem Stern … und lange unterwegs waren und beim falschen König ankamen und am Ende die Antwort fanden… dieser Geschichte können wir da eine Mengen abgucken.



Und das fängt ganz am Anfang an:

Nicht warten, dass sich etwas bewegt, sondern sich selbst bewegen. Sich bewegen von da, wo man eventuell schon länger feste steht. Sich aufmachen. Etwas wollen. Von selbst. Nicht weil es jemand sagt.
Damit rechnen, dass es ungemütlich wird. Länger dauert. Geduld haben. Langen Atem. Kamelgeschwindigkeit. Eines trottenden Kamels manchma
Damit rechnen, dass Ziel nicht direkt neben dem Alten und Bekannten liegt. Sondern ganz woanders. Die drei hatten eine weite Reise. Ich weiß nicht, ob sie damit gerechnet hatten.
Und: nicht alleine losmachen, sondern Verbündete suchen für eine Sache. Welche die genauso und genügend verrückt sind, einer Sache nachzugehen.
Und: mit allem rechnen. Vor allem mit Unvertrautem. Keine Angst davor zu haben. Und vielleicht noch nichtmal einen Plan, weil es noch nie jemand so gemacht hat. Noch nie jemand in dieser Situation war. Jeder Rat von oben und außen vielleicht gar nicht passen würde. So wie jetzt war die Welt und war unser Kirche noch nie.
Außerdem: Man müsste damit rechnen, auch mal komplett am falschen Ort anzukommen, weil so ein Palast natürlich erstmal attraktiv ist und offensichtlich. Das sieht gut aus, draufzu!! Das haben die Drei gelernt: damit zu rechnen, dass das Ergebnis der eigenen Suche nach Lösungen am Ende weniger attraktiv sein könnte und kaum offensichtlich - so wie ein Stall. Aber doch die Rettung.
Wir könnten von der Geschichte lernen, damit zu rechnen, am falschen Ziel zu landen und uns neu motivieren zu müssen, völlig neu justieren. Das macht auch mal Frust. Wir sollten schauen - wohin mit diesem Frust, damit er uns nicht auffrisst.
Wir können lernen: an die eigenen Grenzen zu geraten und nicht mit Angst und Aggression zu reagieren, sondern interessiert. Realistisch. Nachfragend. Hier also geht es nicht weiter. Gut, dass ich das weiß, lass mal schauen, wo es dann weiter geht. Dann renne ich hier mal nicht vergeblich weiter. Vielleicht brauche ich auch mal eine Verschnaufpause. Vielleicht Entlastung.
Wir lernen von den Dreien: sich helfen zu lassen von anderen Weisen. Zuzugeben, dass andere Rechter haben können als ich. Ihre schräge Idee für möglich halten. Erstmal probieren vor dem Ablehnen. So wie im Palast die Schriftgelehrten nochmal für die drei Weisen nachlasen. Sich selbst plötzlich erinnerten an das Eigene. An die eigene Verheißungen. Unfassbar, was diese Reise der Drei um sie herum ausgelöst haben mag und in den anderen, sie haben eine Spur gezogen, die sie vielleicht nichtmal ahnten. Andere, die ermutigt wurde, weil sie mutig und unerschütterlich waren.
Und sie sind nicht müde geworden im Hoffen. So sehr waren sie sich sicher, dass das, wo ihr Herz für brannte, existierte und zu finden sei. Dass der Weg sich lohne, auch der Umweg, auch der Irrtum, auch die Ratlosigkeit, auch das Neuanfangenmüssen.
Sie lernten selbst, dass man andere nach der Verheißung fragen kann und sie sich sagen lassen kann. Das man gute Verheißungen teilen kann, dass die alten Worte der Schrift plötzlich in einer Lebenssituation den richtigen Weg weisen. Dass Gott wirklich leitet.


Auf die Frage: Wo geht es hin mit dieser Welt?

Wo geht es hin mit unserer geliebten kleinen Kirche? Wo gehts es hin in diesen wilden Zeiten? Darauf hat die Bibel keine Antworten und ich auch nicht.

Das geht auch gar nicht. Denn das Leben hat manchmal verrückte Wendungen, die kannst Du Dir gar nicht ausdenken.



Was die Bibel aber weiß ist: Das dass nicht der Punkt ist. Noah im Bauch des Walfisches, Maria mit einem unehelichen Kind im Bauch, sie hatten keinen großen Plan, was kommt. Sie hatten aber diesen Stern. Sie hatten diese Verheißung. Sie hatten Vertrauen. Sie hatten einfach Gott. Sie glaubten fest daran.



Und dieser Spur sind sie gefolgt. Dort fanden sie Antworten: woher ihre Kraft käme, wo ihre Nächsten seien, wie die Liebe zu leben sei. Das fanden sie dort. Sogar Menschen, die nur ahnten, dass es Gott geben könnte und die ihn erst entdeckten, haben diese Kraft gespürt. Unsere Vorfahren haben diese Kraft gespürt. Sie ist so etwas wie eine Art Taschenstern. Dein Glaube ist ein Taschenstern. Der Dich erinnert dass Gott Dich erlöst und trägt. Der Euch erinnert, dass Ihr Eure Gemeinschaft und Euer Gebet braucht.

Vielleicht jetzt wie nie zuvor.

Und mit dem in der Tasche können wir schauen: uns anfangen zu bewegen, Zeit einplanen, mit andere zusammen tun, nicht alleine dastehen, uns nicht scheuen lassen von falschen Versuchen und noch nie Dagewesenem, uns helfen lassen, uns Atempausen genehmigen, und das Licht der Hoffnung nicht ausgehen lassen, es einander wieder anzünden. Glauben, dass es sich lohnt. Das alles ist eine Kraft, die ist neben aller Logik und allen Fakten da, wir haben sie zusätzlich, damit kann man anfangen. Das lasst uns heute mitnehmen und dann auf die Kamele steigen. Amen.



Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.